Wollfest im Doppelpack

Schaf-Portrait

Schaf-Portrait

Eigentlich poste ich ja lieber in chronologischer Reihenfolge, aber diesmal fange ich mit dem Ende vom Urlaub an. 🙂

Wir waren gerade 2 Wochen in den USA im Urlaub mit Start in Boston und von dort aus nach Rhode Island und Connecticut. Begonnen haben wir in Boston, weil der Alsterjogger dort den Marathon gelaufen ist. Und damit nicht nur sein Hobby im Urlaub Berücksichtigung findet, haben wir die letzten Tage in Hartford, CT verbracht, denn dort (bzw. im Umland) haben quasi zeitgleich 2 Wollfeste stattgefunden, so dass ich auch Zusatzprogramm hatte.

Über den Urlaub werde ich (hoffentlich) noch ein bisschen was schreiben, jetzt geht es aber erstmal zu den Wollfesten.

Als im letzten Jahr klar war, dass der Alsterjogger sich für Boston qualifiziert hatte und wir an die Reiseplanung gingen, hab ich erstmal recherchiert, welche Woll-Veranstaltungen wohl zeitlich und räumlich damit kombinierbar wären. Nach ein wenig Suchen fand ich das 2017 Connecticut Sheep, Wool & Fiber Festival, das jährliche Fest des Schafzuchtverbands von Connecticut (29.4.17). Klang toll. Keine riesige Veranstaltung, aber dafür auf einem Farmgelände und mit Schafen, etwas, das man hier ja eher nicht so findet. Ich war begeistert und der Rückflug wurde entsprechend daran angepasst gebucht.

Gegen Ende letzten Jahres tauchte dann noch eine weitere Veranstaltung für den Zeitraum 26.-30.4.17) auf: Stitches United. Die „Stitches“-Veranstaltungen werden ja über die USA verteilt von der Firma XRX ausgerichtet. In Hartford hatte wohl länger nichts stattgefunden, aber dieses Jahr sollte es eine Neuauflage geben und durch den Zusatz „United“ sollte auch andere Handarbeitsrichtungen aufgenommen werden. Klang spannend, sollte parallel zum bereits erwähnten Festival stattfinden und quasi direkt um die Ecke davon. Also war klar, ich kann 2 Festivals an einem Wochenende besuchen, optimal für den Urlaub. Mir schleicht sich gerade der Ausdruck BOGO (Buy One Get One free), der uns in diesem Urlaub öfter begegnet ist, in den Kopf, stimmt zwar nicht ganz, weil die Veranstaltungen unabhängig voneinander sind, aber in Bezug auf Flug, Mietwagen und Hotel stimmt es schon irgendwie.

Gute anderthalb Wochen Urlaub liegen hinter uns (mehr dazu folgt), wir fahren nach Hartford, der Hauptstadt von Connecticut – ja, das ist ein c vor dem t, auch wenn ich das lange verdrängt hab.

Wir haben uns gegen das offizelle Konferenzhotel entschieden, da es sich um das Marriott handelt und entsprechend teuer ist, trotz Konferenzrabatt. Für ungefähr die Hälfte des Preises übernachten wir im Red Roof Inn, das zwar am anderen Ende von Downtown Hartford ist, aber zu Fuss auch nur ca 20 Minuten Weg bedeutet. Es liegt direkt am Bahnhof, das macht es z.T. ein wenig laut, und das Frühstück ist zwar kostenlos, aber gruselig (Burger & Burritos für die Mikrowelle, sowie Kuchen), aber davon abgesehen, sind wir zufrieden.

Warum ich die zu Fuss-Entfernung im Land des Autoverkehrs erwähnt habe? Downtown Hartford ist sehr autounfreundlich. Es gibt zwar zahlreiche Parkplätze, aber da zahlt man ca 17 $ pro Tag – auch als Hotelgast. Also zahlen wir für 4 Nächte brav für unseren Parkplatz am Hotel, bewegen das Auto aber dann nicht mehr innerstädtisch. Zum Convention Center gehen wir zu Fuss und zurück nutzen wir den kostenlosen Shuttle-Service, der von Convention Center zu den Downtown-Hotels fährt – viertelstündlich! Und weil eben eine Veranstaltung ist, wird der Service sogar bis ca 22 Uhr ausgedehnt. Super-Service.

Wir kommen Mittwoch um ca 16:50 in Hartford an, bis 17 Uhr kann man an diesem Tag schon seine Eintrittskarten abholen. Das machen wir auf dem Weg zum Hotel dann auch noch schnell.

Wir haben für den Freitag abend die Teilnahme an „Fashion Show und Dinner“ gebucht und somit den Eintritt für den Marktplatz für den gesamten Zeitraum inclusive. Ja, auch für den Alsterjogger. Der war zum einen neugierig, zum anderen wäre es ja auch langweilig, wenn er den Abend alleine rumsitzt und auf mich wartet.

Somit können wir am Donnerstag schon auf den Marktplatz gehen. Der ist von 17-20 Uhr geöffnet – aber nur für Leute, die im Vorfeld Ihre Tickets gekauft haben. Da ist es schön leer und wir machen ein paar Fotos:

Extreme Stash ist eine witzige Idee. Die Sponsoren der Veranstaltung haben angeschnittene Knäuel von Ihrer Wolle an dieser Stelle platziert und man kann sich somit kleine Proben von verschiedenen Garnen mitnehmen.

Unten rechts sieht man gut die Ausmaße der Halle. Ganz schön groß. Im Vordergrund ist der lange breite Gang mit rotem Teppich zu sehen. Dies nannte sich „Playground“, dort konnte man sich zu verschiedenen Techniken informieren bzw. reinschnuppern.

Ich habe zum Beispiel ein wenig am Webstuhl gesessen im Verlauf des Wochenendes:

Web-Versuche

Web-Versuche

Aber natürlich gab es jede Menge einzukaufen. Wolle, Stoffe, Zubehör, Maschinen, um für’s Quilten Stoff zuzuschneiden, Taschen, Cremes, Knöpfe,…

Donnerstag Abend sind wir dann schnell gegenüber in eine Pizzeria gegangen, wo wir sehr leckere Pizza bekommen haben. Dann war ich noch auf einem Vortrag von Franklin Habit zum Thema kreativer Prozess im weitesten Sinne. Sehr unterhaltsam. Währenddessen hat der Alsterjogger lesend im Foyer gesessen und auf mich gewartet. Und weil wir k.o. waren, haben wir den Shuttle Service getestet. Da ausser uns niemand an der Bushaltestelle war, hatten wir den kompletten Bus für uns und wurden direkt am Hotel rausgelassen, obwohl dort kein offizieller Stop auf der Route ist.

Freitag dann theoretisch der ganze Tag für’s den Marktplatz. Ich habe mich gegen den Besuch eines Kurses entschieden, weil die mit ca 100€ pro Kursstunde doch recht teuer waren und mich dafür keines der Themen genug angesprochen hätte, bzw. wären es dann die 6 Stunden-Kurse gewesen.

Da es jeden Tag eine Tombola gab, für die man am Tag vorher seinen Namen in den Topf werfen konnte, haben wir uns eigentlich für den Freitag ganz gute Chancen ausgerechnet, zu den Gewinnern zu gehören, weil am Donnerstag ja nicht so viele Leute da gewesen waren, aber wir gehörten nicht zu den Gewinnern. Egal, nach einem Vormittag auf dem Marktplatz gehen wir sehr leckere Sushi essen und machen dann eine Mittagspause. Im Convention Center sind es dank Klimaanlage höchstens 18 Grad, draussen eher 27, das ist echt anstrengend.

Nachmittags geht der Alsterjogger eine Runde laufen, ich nochmal ins Convention Center, um dort ein wenig zu stricken und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Da es auch am Freitag nicht sehr voll ist (kein Vergleich zum Wollfest Hamburg, wo man z.T. nicht an die Stände heran kommt), unterhalte ich mich erneut mit den netten Damen am Stand der Green Mountain Spinnery, wo ich am Vorabend eingekauft hab. Als Europäer ist man hier eher exotisch und die Leute erinnern sich an uns, das ist witzig.

Auch mit Stephen Be sind wir ins Gespräch gekommen, wobei sich herausstellt, dass seine Mutter in Deutschland aufgewachsen ist und er sogar ein paar Brocken deutsch spricht. Er ist rein optisch ein ziemlicher Paradiesvogel, ähnlich wie auch Stephen West, den ich ja hier in Deutschland schon ein paar Mal getroffen habe.

Der Freitag abend steht bevor und damit die Fashion Show, wir sind gespannt, was uns auf dieser Bühne erwarten wird:

Modenschau

Modenschau

6 Models zeigen hier Strick-, Häkel- und Nähdesigns verschiedener Designer, die jeweils von den Ausstellern gesponsort sind. Insgesamt sind es gut 60 Teile, die uns vorgeführt werden. Zwischendrin werden einige Sets aus Wolle und Anleitung für die gerade gezeigten Teile verlost. Leider sind wir nicht dabei.

Nach einer Stunde geht es nach nebenan, wo die Tische für das Dinner bereits gedeckt sind. Wir landen an einem Tisch mit einer netten Runde und genießen ein leckeres 3-Gänge-Menu.

Dinner

Dinner

Anschließend gibt es noch eine weitere Verlosung, in diesem Fall aber nur für die Anwesenden, wer nicht da ist, hat Pech gehabt, es wir ein neuer Name gezogen. Auch hier gehen wir leer aus. Schade, schade.

Samstag steigen wir früh ins Auto und nach einer kleinen Irrfahrt mangels richtiger Schilder, dauert es einen Moment, bis wir die Auffahrt auf die Autobahn gefunden haben. Dann sind wir aber in ca 20 Minuten in Vernon, wo sozusagen das Kontrastprogramm stattfindet.

Wir zahlen 5$ für’s Parken, aber keinen Eintritt. Unser Auto findet einen Platz auf der großen Wiese und schon geht es los. 5 Farmgebäude, ein größeres und ein paar kleinere Zelte beherbegen das Sheep and Wool Festival.

Parkplatz Farmgelände

Parkplatz Farmgelände

Farmgelände und Zelte

Farmgelände und Zelte

In Hartford gab es eher weniger Direktproduzenten von Wolle. Zwar viele kleine FärberInnen, aber die Wolle war schon meist industriell verarbeitet. Hier ist es genau andersherum. Die meisten Stände mit Wolle gehören tatsächlich zu den jeweiligen Farmen/Kooperativen, die auch die Tiere halten. Und das Angebot geht von Rohwolle im Beutel bis zu fertig versponnen und gefärbt, verschiedenste Schafrassen, aber auch Alpaka- und Mohair-, sowie Angora-Züchter sind da.

In einer Scheune gibt es lebendige Schafe, dort gibt es auch halbstündige Vorführungen von Schafschur.

Schafschur

Schafschur

Und draussen, neben dem Parkplatz wird dann noch eine Hütehunde-Vorführung geboten:

Hütehunde-Vorführung

Hütehunde-Vorführung

Nachdem wir alles gesehen und bewundert und befühlt haben, fahren wir nach Hartford zurück, es ist schon wieder um die 27 Grad warm, immerhin gab es hier dann mal keine Klimaanlage.

Um ca 17 Uhr gehen wir nochmal ins Convention Center, um zu schauen, ob wir bei der heutigen Tombola was gewonnen haben – und siehe da, ich habe tatsächlich einen Gutschein gewonnen für Night Owl Fibers, wo ich mir einen Strang braune Merino in Aran-Stärke aussuche.

Der Stand lebt eigentlich von Knäulen mit langen Farbverläufen, aber diese sind alle in Pastell-/Pudertönen gehalten und deshalb so gar nicht meine Welt.

Night Owl Fibers

Night Owl Fibers

Beeindruckend ist, dass die Färberin erst 20 ist. Sie hat seit ca 1,5 Jahren ihren eigenen etsy-Shop und war zusammen mit ihrer Mutter dort. Die beiden waren mit dem Auto/Transporter angereist, dazu waren sie 27 Stunden unterwegs. Unglaublich. Dagegen ist der Flug nach Europa ja ein Kurztrip. 🙂

Und nach einem weiteren Abendessen in der leckeren Pizzeria geht unser Aufenthalt in Hartford dann tatsächlich zu Ende.

Mein Fazit: beide Veranstaltung waren sehr unterschiedlich, beide fand ich auf ihre Art gut und interessant. Die zweite ist mit Sicherheit für Spinner nochmal deutlich attraktiver, aber die erste war dafür vielfältiger, weil so viele andere Themen auch stattgefunden haben.

Und hier noch ein Gruppenbild meiner Einkäufe:

gesammelte Einkäufe

gesammelte Einkäufe

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Ein Gedanke zu „Wollfest im Doppelpack

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