Vom Holzklotz zum Holzkopf

Dort, wo gleichgesinnte Menschen aufeinander Treffen, um sich über ihre Leidenschaft auszutauschen, werden ja gerne mal virtuelle Viren gestreut – bzw. freundlicher formuliert: sind das sehr inspirierende Gelegenheiten, um neue Ideen zu entwickeln.

Und so ging es mir auch. Auf ravelry haben einige Leute Modell-Köpfe, um darauf ihre Mützen, Stirnbänder etc. zu fotografieren und sie im Forum zu zeigen.

So hat mich dort auch ein Holzkopf immer sehr fasziniert.

Meine Suche nach einem bezahlbaren und schönen Modellkopf war aber bislang irgendwie nicht sonderlich erfolgreich bzw. ich hatte keine Lust, mich dafür auf Flohmarkttour zu begeben, denn irgendwie bin ich kein Flomarktmensch.

Und dann hab ich spontan mal auf der Seite der Hamburger VHS nach „Skulptur“ gesucht und mir wurde prompt ein Holzbildhauerkurs am folgenden Wochenende ausgegeben, zu dem es noch einen Platz gab.

Ich habe noch ein wenig gezögert und mich dann nach 2-3 Stunden drüber Nachdenken doch angemeldet. 🙂

Und dann ging es los. Mit 6 TeilnehmerInnen (3 Frauen, 3 Männer) standen wir um den Kursleiter in seiner Werkstatt in Altona herum.

Aufgrund meines Wunsches, einen Kopf zu gestalten, bekomme ich erstmal 2 Bücher in die Hand gedrückt, die mich diesem Thema noch näher bringen, ein Anatomie-Buch sowie ein Buch über den Aufbau von Körpern und Körperteilen aus Ton. Mir schwant, dass Aufbau aus Ton vielleicht einfacher gewesen wäre als Herausarbeiten aus Holz, aber jetzt ist es zu spät. 🙂

Erstmal gab es eine Stunde Theorie, Werkzeugkunde etc. und dann können wir zur Tat schreiten und uns jeweils ein Stück Holz aussuchen und mit Kohlestift erste Umrisse aufmalen, um eine grobe Idee zu haben, wie aus 2D dann 3D werden könnte. Das ist gar nicht so einfach.

Holzklotz

Holzklotz eingespannt

Und dann geht es nicht mehr zurück. Mit Beitel und Klöpfel rücken wir unseren Werkstücken zu Leibe. Trotz kühler Aussentemperaturen wird uns in der ungeheizten Werkstatt schnell warm und ich ziehe auch ziemlich schnell die mitgebrachten Handschuhe aus dem Rucksack und bin froh, meine Ringe gleich zu Hause gelassen zu haben.

Der Kursleiter geht rum und berät uns einzeln in Bezug auf unsere konkreten Projekte und greift auch zum Werkzeug, um zu demonstrieren, was er meint. Teilweise nimmt er auch die Kettensäge zur Hilfe, um größere Stücke wegzusägen, damit es nicht allzu frustrierend für uns wird.

So sieht mein Kopf nach der Kettensägen-Behandlung aus:

Holzklotz angesägt

Holzklotz angesägt

Ich bin ganz schön froh, dass ich das nicht alles von Hand wegschlagen musste.

Bevor wir uns versehen, ist es Zeit für die Mittagspause. Vom Kursleiter im Vorfelg angeregt, haben wir alle Zutaten für eine gemeinsame Brotzeit mitgebracht. Es ist zwar noch frühlingshaft frisch, aber wir sitzen im sonnigen Innenhof machen dort eine gemütliche Pause.

Danach geht es nochmal gute 2 Stunden weiter. Ich habe den Rat beherzigt, den Klöpfel nicht aus dem Oberarm heraus zu bewegen, sondern ihn eher aus der Hand fallen zu lassen, damit das Eigengewicht arbeite. Dadurch kann ich meinen Arm noch bewegen, bin aber schon ganz schön k.o. Insgesamt kostet das viel Kraft und Energie, auf das Holz einzuschlagen. Dazu stehen wir die ganze Zeit und vom Werkzeug umklammern tun mir auch die Hände ordentlich weh, aber ich habe keine Blasen oder so und bin zufrieden mit meinem ersten Holz-Tag.

Am Sonntag geht es weiter. Bis zum Mittagessen merken wir schnell, dass wir schon den gestrigen Tag in den Knochen haben und auch dass wir in der ersten Stunde schon gearbeitet und nicht nur zugehört haben.
Werkstücke machen Fortschritte. Ich bin etwas gefrustet, weil der Gesichtsansatz, den ich am Vortag herausgearbeitet hab, zu tief angesetzt ist, d.h. das Kinn ist zu weit von der Stirn entfernt – wenn man mal ins Anatomie-Buch schaut und sich die Proportionen klar macht…

Also setze ich ein bisschen höher nochmal an und bin sehr froh, dass ich am Vortag keine allzu tiefen Kerben gehauen hab. Aber jetzt.
Augenhöhlen, Stirn, Wangenpartie, Kinn, Hals,…

Ich bitte nochmal um Unterstützung durch die Kettensäge, damit der Hals eine Chance hat, bis zum Kursende als solcher erkennbar zu sein.
Ist das anstrengend. Meine Hände zitten ein wenig und ich merke, dass es etwas dauert, bis ich sie wieder richtig bewegen kann, wenn ich die Werkzeuge loslasse.

Die letzte halbe Stunde bricht an und wir müssen auch noch aufräumen also müssen wir so langsam zum Ende kommen.
Mein Kopf hat noch ganz viele scharfe Ecken und leider auch einen kleinen Riss im Holz, um den herum das Holz etwas gesplittert ist. Mir gruselt vor der Aufgabe, das von Hand mit Sandpapier glatt zu schmirgeln und ich frage, ob es noch einen besseren Weg gibt. Glätten ist ja schließlich nötig, wenn ich wirklich handgestrickte Mützen auf den Kopf setzen will und sie hinterher nicht am Holz festhängen sollen.

Und so darf ich noch den Elektro-Schleifer zur Hilfe nehmen – natürlich ginge das auch mit entsprechendem Werkzeug, alles von Hand zu glätten, aber dafür bräuchte ich wohl noch einen Tag.
Damit kann ich zumindest die „Mützenhälfte“ des Kopfs glätten, für mehr reichtz die Zeit dann nicht mehr.

Völlig geschafft packe ich dann am Kursende den Kopf in die Satteltasche und schwinge mich aufs Rad. Der Weg beinhaltet einiges an Kopfsteinpflaster. Das tut meinen eh schon durchgeschüttelten Handen nicht so gut. An allen Ampeln nehme ich die Hände vom Lenker und dehne sie. Das tut weh. 😦

Aber mittlerweile tun meine Hände (fast) nicht mehr weh und ich bin immer noch ganz stolz auf meinen Kopf. Er ist zwar nicht „schön“, aber man erkennt, was es sein soll. Auch braucht er noch ein wenig Nachbearbeitung (abwaschen der restlichen Kohle-Spuren, abschleifen der „Schulterpartie“ und ölen des Holzes), bevor der erste Modell-Einsatz dann ansteht, aber das ist ja jetzt nicht so eilig.

Holzkopf

Holzkopf final

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