E5 – Etappe 6V – Finale

Nach erstaunlich ruhiger Nacht werden wir um 5:30 vom Wecker im Nachbarzimmer geweckt. Wir machen uns laaaangsam fertig und stellen fest, dass auch das Frühstücksbuffet seinen Preis wert ist. Man darf sich Brote schmieren, Tüten liegen bereit, Teewasser wird abgefüllt, das Brot ist frisch gebacken und super lecker. Kein Vergleich zu 2 abgezählten Standard-Hütten-Graubrot-Scheiben der übrigen Hütten.

Um 7:45 geht es los. Es ist echt kalt. Auf dem Schuppendach und den Wiesen ist überall Reif. Wir haben uns mit Daunenjacken, Mütze und Handschuhen gewappnet. Erstmal ca 80Hm bergab und über eine Brücke. Dann beginnt der letzte Aufstieg des Tages von 500-600Hm. Vorher tauschen wir aber noch Daunenjacke gegen Softshell, weil uns beim Aufstieg bestimmt warm werden wird.
Zunächst in Sepentinen steil bergan über ein Schotterfeld, dann folgt für den Rest des Vormittags ein gut angelegter schmaler, nur selten ausgesetzter Weg. Das sind echt Künstler, die die Steine so legen, dass daraus ein Weg oder Stufen in der Mondlandschaft werden. Vielen Dank auf jeden Fall an diese namenlosen Helden.
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Der Weg führt an einem Gletscherbach entlang durch Mondlandschaft, mal ein wenig Grün, mal kreuzen wir kleine Wasserläufe. Das Klingeln von Schafsglöckchen begleitet uns durchgehend während des Aufstiegs, anfangs auch noch Murmeltier -Pfeifen.
Die Schafe leben hier im Sommer 2-3 Monate unbeaufsichtigt. Sie werden – basierend auf jahrhunderte alten Weiderechten – jeden Sommer aus Südtirol übef das Hochjoch getrieben und verbringen sozusagen ihren Sommerurlaub in Österreich.
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Die Ausblicke in beide Richtungen werden immer spektakulärer, weil sich die Wolken verziehen und wir höher steigen. Links von uns taucht ein Gletscher auf und allmählich auch die Liftanlagen des Pitz Schnalstals.
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Das Hochjoch selbst, wo wir die Grenze zu Italien überschreiten und den höchsten Punkt unserer Tour (ca. 2900m) erreicht haben, bemerken wir nicht oder es gibt kein Schild. Nur ein österreichisches Grenzschild am Weg. Sehr seltsam. Auf jeden Fall ist klar, unsere Jausenstation, die Hütte Bella Vista /Schöne Aussicht kann nicht mehr weit sein. Und schon taucht sie auf. Es ist nochmal richtig windig hier und ich bereue, meine Handschuhe schon länger ausgezogen zu haben.
Cool. Die Hütte ist auch im Winter geöffnet und liegt quasi an der Piste. Sie hat eine Aussensauna und einen Whirlpool. Super nettes Personal.
Weil wir etwas vor dem großen Ansturm da sind, hat die Chefin Zeit für ein Gespräch.
Während wir essen, stürmen die ersten Tagesgäste herein, die schon mehr Höhenmeter in den Beinen haben als wir, dafür mit weniger Gepäck.
Als es beginnt, voll zu werden – das ging echt schnell – brechen wir zu unserem letzten Abstieg auf. Draußen pfeift echt ein fieser Wind, also wieder gut einpacken.
Angeblich ist man in 1h40 unten. Wir sind gespannt, halten das bei 800Hm für ein sportliches Ziel… Beim Ausfstieg waren wir mit 3h45 statt 3h ähnlich schnell wie gestern.
Auch dieser Weg ist sehr gut angelegt. Abwechselnd entspannt zu gehende Passagen und steile Stellen. Insgesamt schmal und etwas ausgesetzt, aber nie schwierig.
Wir gehen gemütlich, wollen uns nicht hetzen. Immer wieder entledigen wir uns einer Schicht Kleidung bzw krempeln die Beine hoch, da es dann doch langsam warm wird, auch wenn der kalte Wind bleibt.
Kurzras kommt in Sicht. Wir hatten ein gewachsenes südtiroler Dorf erwartet, was wir sehen, erinnert mehr an eine Retortenstadt wie in den französischen Alpen.
Und nach 2h20 sind wir dann endlich unten. Am Ende vom Weg liegen ein paar Kühe rum. Gatter auf und wir stehen vor einer italienischen Hotel-Club-Anlage.
Hm – wo ist das Ziel-Schild, die jubelnde Menschenmenge? Ok, wir sind nicht am offiziellen Ende des Wegs, sondern im Nachbarort, aber müssen die Club-Touristen in Turnschuhen uns deshalb wie Ausserirdische anstarren? Merkwürdig fühlt sich das Ankommen an.
Erleichterung und Freude im Kopf, der weiß, dass es vorbei und alles gut gegangen ist, aber im Bauch fehlt noch die Euphorie.

Wir haben 15min bis der Bus fährt, gutes Timing. Also noch ein paar Selfies und ein wenig fotografieren lassen und dann zieht der Alsterjogger doch ernsthaft selbst designte Finisher -Shirts aus dem Rucksack – der Verrückte. 🙂 Also noch mehr Fotos.

Dann ab in den Bus und ca eine Stunde lang auf kurviger, enger Straße durchs Schnalstal nach unten. Zwischendrin werden am Vernagt-Stausee die Wanderer der Standard-Route eingesammelt.
In Naturns haben wir ca 30 min Aufenthalt beim Umsteigen, wir gönnen uns ein Eis. Erstes Feedback von Freunden und Verwandten auf unsere Erfolgsmeldung trudelt ein, wir sind entspannt.
Dann noch eine halbe Stunde Busfahrt zum Meraner Bahnhof und 2 Minuten Fußweg zum Hotel. Wir sind da.

Nette Wirtin, top-Lage. Das Zimmer etwas in die Jahre gekommen, aber sauber, dafür frisch renoviertes Bad und toller Blick.

Frisch machen, ankommen und dann auf zum Abendessen. Bei angenehmen 25 Grad sitzen wir im Biergarten der lokalen Brauerei Forst und genießen gutes Essen und zur Abwechslung mal kein alkoholfreies Weizen, denn das wäre aus Bayern, sondern Bier von hier.
Noch ein kleiner Spaziergang durch die Stadt und dann einfach den Abend genießen.
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