E5 – Etappe 3

War das eine Nacht…
Gegen kurz vor 22 Uhr gehen wir schlafen und gehören damit eher zu den letzten, aber kein Wunder, wir hatten auch einen deutlich weniger anstrengenden Tag als die anderen.
Dank Mini-Kopfkissen kann ich erstmal kaum schlafen und wälze mich. Rund um Mitternacht tobt dann nah, aber nicht direkt über uns, ein fettes Gewitter. Es blitzt extrem hell und donnert richtig laut. Dann regnet es auch noch. Auch mit Ohrstöpseln ist an Schlaf nicht zu denken.
Zwischen 1&4 bekomme ich etwas Schlaf, dann muss ich leider aufs Klo und werde wach. Mir tut alles weh, das Kissen ist echt zu klein, draussen wird es hell und ich überlege, wach zu bleiben, kann dann aber doch noch mal für ca 1h schlafen.
Um 5:15 wacht auch der Alsterjogger auf, dem es ähnlich geht. Da wir sowieso um 5:45 aufstehen wollten und schon die ersten Leute durchs Haus poltern, beschliessen wir, uns langsam fertig zu machen.

Draussen milder als gedacht und wieder trocken. Die Bergschulen breiten draussen ihre gepackten Rucksäcke aus, wir stellen unsere dazu.
Eigentlich bekommen die Einzelwanderer erst ab 6:30 Frühstück, aber quetschen uns dazwischen und können so – wie geplant – um 6:30 loslaufen.

Wir gehen am Unteren Sewisee vorbei, den wir vom Abendspaziergang kennen und sehen erneut die Steinbockherde. In knapp 2h gehen wir über den recht steilen Weg 350Hm über Steine und Geröll zur Seescharte. Dabei kommen wir noch am Mittleren und Oberen Sewisee vorbei, auf denen es noch etwas Eis gibt.

image

Die eigentliche Scharte ist sehr eng und steil, es passt immer nur eine Person durch und man sollte sich am Drahtseil festhalten. Nach einem Aufstieg im Schatten wird man mit Sonne und einem grandiosen Ausblick belohnt. Wir können sogar schon sehen, wo wir übernachten werden. Die Gipfelstation der Venetbahn.
image

Kurze Ruhepause, und dann geht es bergab, erstmal  1150Hm bis zur Unteren Lochalm, wofür wir gute 3h benötigen. Die Aussicht ist toll, aber der Weg ist echt steil und schmal und blöd zu gehen. So ähnlich hatten wir das aufgrund von Beschreibungen auch erwartet und hatten dementsprechend Respekt vor diesem Tag.
Nach dem größten Teil des Abstiegs steht man erstmal vor der Oberen Lochalm, die nur im August geöffnet ist und darf dann eben am Fluss entlang weiterlaufen. Das fühlt sich erstmal merkwürdig in den Beinen an. Es ist aber für Beine und Kopf erholsam, sich nicht auf jeden Schritt konzentrieren zu müssen. Dann geht der Weg wieder abwärts, aber etwas flacher bis zur Unteren Lochalm. Dort haben unsere Essens-Genossen von gestern Abend einen Tisch im Schatten ergattert und wir können uns dazu setzen.
Wir sind k.o. und freuen uns auf die Pause, wohl wissend, dass wir laut unserem schlauen Buch hier ungefähr die Hälfte der heutigen Etappe hinter uns haben und die Zeit, die wir bislang incl Pausen benötigt haben (5:30h) ist laut dem Buch die Gesamtgehzeit für den Tag (ohne Pausen).
Wir wissen aber eine Bergschule noch hinter uns, die in der gleichen Unterkunft wie wir ist und somit auch noch die letzte Gondel erwischen muss. Das beruhigt uns.
Wir werden fröhlich begrüßt und die zwei etwas planlosen erwähnen, dass sie sih kurz vor dem Ziel wähnen. Diese Illusion müssen wir dann kurz mal zerstören. Wir fragen uns zwischendurch, ob die zwei nur naiv oder grob fahrlässig sind…
Zu zweit vernichten wir 1,5l Schorle und ein Brot, das mit mindestens 5 Scheiben Käse belegt ist und sind sevr dankbar, dass diese Hütte hier bewirtschaftet wird, obwohl sie keine Materialseilbahn hat und nicht an einem Fahrweg liegt. Wir meinen uns zu erinnern, gelesen zu haben, dass alles zu Fuss bzw. per Pferd/Esel hin transportiert wird…

Nach einer halben Stunde Erholung brechen wir auf, wir wollen unseren Zeitpuffer zu letzten Gondel nicht überstrapazieren.
Erstmal geht der Weg immer etwas rauf und runter, aber insgesamt nochmal 50-80Hm rauf. Sehr schön, ein Wanderweg aus dem Bilderbuch durch Nadelwald.

Und dann beginnt das berühmt – berüchtigte und gefürchtete Zammer Loch, der finale Abstieg, nochmal ca 800Hm.
Der Weg ist ursprünglich als Pfad für den Almauf- bzw abtrieb in den Fels gesprengt worden, ist aber zuletzt 1890 benutzt worden, weil für jedes Tier ein Treiber mitgehen musste, weil der Weg so schwierig für die Kühe ist.

Wir finden ihn relativ angenehm zu gehen. Ca 2m breit mit angenehmem Gefälle immer am Berg entlang, aber lang und immer bergab. Immer wieder gut duftende Nadelhölzer und rechts und links entweder Abgrund oder Berg, jeweils steil.
Und dann siehr man unten den Ort, der aber noch ganz schön tief liegt… Und irgendwann merkt man dann, dass man den falschen Oft sieht und noch weiter um den Berg rum muss. Immerhin sehen wir aber schon unsere Gondel, auch wenn da noch viel Abstieg vor uns liegt und da fällt mir ein, was ich auf der Karte gesehen hab. Wenn man genau oberhalb vom Ort ist, macht man nochmal einen riesen Schlenker nach links, denn der Weg kreuzt die Autobahn und die sehe ich gerade…
Wir machen immer wieder kurze Pausen und schütteln die Beine aus und/oder essen  und trinken was. Langsam haben wir genug Abstieg, denn warm wird es auch.

Nacheinander überholen wir zwei recht erschöpft wirkende Paare, die vorher sehr zügig an uns vorbei gerast waren. Der Alsterjogger zitiert seine Lieblingsweisheit „it is not the distance, but the pace that kills you“. Es scheint, dass wir mit unserem langsameren Grundtempo gut liegen, denn von den Paaren werden wir nicht mehr eingeholt.
Endlich kommen wir zur Märchenwiese, der letzten gemütlichen Erholungsmöglichkeit. Da schließt aber „unsere“ Gruppe auf und will dort ebenfalls pausieren. Deshalb gehen wir weiter, Gesellschaft geht gerade nicht.
Schon eine Weile haben wir es donnern gehört, aber auch gesehen, dass das Gewitter und der Regen ein paar Berge weiter sind, aber jetzt tropft es auch bei uns. Wir ziehen die Regenhüllen um die Rücksäcke, lassen uns aber zur Abkühlung nassregnen.
Und wenn man dann so richtig gar keine Lust mehr hat, weil die Beine und Füße weh tun und man nur noch k.o. ist, dann wird der Weg nochmal unangenehm und steiler und erfordert Kraft, Koordination und Konzentration – ach ja: und Durchhaltevermögen….

Irgendwann zieht unsere Gruppe dann doch an uns vorbei, aber der Bergführer meint, dass er noch Zeit zum Einkaufen eingeplant hat. Wir sprinten also nicht hinterher.
Und plötzlich sind wir unten. Unfassbar. Die Beine kommen mit dem ebenen asphaltierten Weg erstmal nicht klar und ich brauche tatsächlich meine Stöcke um normal laufen zu können.
Noch 15-20min durch Zams, wobe ich auf einer Bank erstmal von den Wanderschuhen in die Treckingsandalen wechsel, mir tun links alle Zehen weh. Wie ich später feststelle, eine schöne Blase unter dem dicken Zeh. 😦
Unterwegs noch eine Apfelschorle gekauft und dann zur Gondel.

Der Check-In für’s Hotel ist an der Talstation der Gondel ist die Hotelrezeption und dann trennen uns nur noch wenige Minuten vom Hotelzimmer. Die Gruppe fährt mit uns hoch und weil wir die einzigen sind, reichen sogar die wenigen Sitzplätze für alle.

Die Bergstation ist optisch schlicht und funktional. Unverputzter Beton und Holz bestimmen das Bild. Die Zimmer sehen ähnlich aus. Der Blick aus dem Panoramfenster ist ein Traum.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s