Zu Wasser, zu Land und in der Luft

Was für ein Tag! Heute morgen haben wir es erstmal ruhig angehen lassen und haben nach dem Frühstück noch gestrickt bzw gesurft und auch mit der Helikopter-Firma telefoniert. Als dann feststand, dass ich heute Nachmittag fliegen kann, haben wir uns für einen Tag in Downtown Manhattan entschieden. 
 
Also sind wir mit der Bahn bis Bowling Green gefahren. Da kommt man am Battery Park, der Südspitze Manhattans raus. Dort war noch reichlich Chaos und jede Mengen Spezialeinheiten, sowie Polizisten, die den Verkehr regeln.
 
Zunächst mal haben wir die Sonne genossen (ohne Wind war es sehr angenehm) und haben uns umgeschaut zwischen Aufräumtrupps, Gärtnern, umgestürzten Bäumen, Touris, Blick auf die Freiheitsstatue, Suche nach dem Heliport für nachmittags uvm.
 

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Dann sind wir zu Staten Island Ferry. Da ich vor 14 Jahren schonmal damit gefahren war, wusste ich, was auf uns zukam, aber der Alsterjogger war noch nicht ganz überzeugt, dass sich ein Aufenthalt im Freien/an Deck bei den Temperaturen lohnen würde.
 
Der Wartesaal für die Fähre war ungeheizt und weder die Toiletten noch die Kioske etc waren geöffnet, aber es versammelten sich immer mehr Menschen, insbesondere Touristen, bis dann die Fähre anlegte. Im kleineren Maßstab kennen wir so ein Fährengedrängel ja aus Hamburg, deshalb waren wir recht entspannt, zumal abzusehen war, dass die Fähre mit den Anwesenden Personen nicht voll werden würde.
Bis zur Abfahrt hatten wir uns dann zum obersten Deck vorgearbeitet und standen mit Blick auf die Freiheitsstatue drausssen. Begleitet von einem Schiff der Küstenwache (damit uns nichts passiert oder damit wir keinen Blödsinn machen?) fuhren wir dann also mit bester Fotoperspektive für die Skyline und die Freiheitsstatue nach Staten Island. Erwartungsgemäß löste sich das Gedränge ziemlich schnell auf, als die Leute merkten, wie kalt es im Fahrtwind war 😉
 
Nach ca. 25min kommt man in Staten Island an und wenn man sich dort nicht umschauen mag (wir wollten keine Katastrophen-Touristen sein und auch den Alsterjogger nicht zu nah an den gestrigen Start führen), kann gleich wieder zurück fahren. Dazu müssen aber alle Passagiere das Schiff verlassen und dann im Gebäude auf dem Weg nach draussen abbiegen, um wieder in die Wartehalle zu gelangen. Etwas umständlich, aber ok. Auf dieser Seite war der Wartesaal auch geheizt und die Kioske geöffnet, aber wir waren nur 2 min dort, bevor wir wieder aufs Schiff zurück gingen.
 
Zurück in Manhattan wollten wir was essen. Zunächst mal sind wir zu Fuss den Anfang vom Broadway hoch in Richtung Financial District. Sehr wuselig zu Mittagszeit mit Touris und Einheimischen. Den Broadway sind wir bis zur Wall Street hoch und dann durch die Wall Street am New York Stock Exchange vorbei. Sehr imposant. Für eine Seitenstrasse hatte unser Lieblingsreiseführer eine Empfehlung ausgesprochen. Leider hatte der Laden wegen Aufräumarbeiten nach Sandy noch geschlossen – die meisten anderen auch. Wir wollten aber unbedingt drinnen sitzend etwas Warmes essen, so dass die zahlreichen Imbiss-Stände uns nicht so gereizt haben.
 
Nach einer kurzen Suche haben wir dann einen japanischen Laden gefunden, der leckere Udon-Suppe im Angebot hatte. Die „Folgebedürfnisse“ Nachtisch-Kauf und Toilettenbesuch haben wir dann auf zwei weitere Läden verteilen müssen, weil es überall so voll war.
 
Langsam wurde es dann Zeit, zum Downtown-Heliport zu gehen, also den ganzen Weg zurück. Seit heute kann wieder geflogen werden. In den letzten Tagen ging gar nichts und im Web hiess es zunächst auch, dass sie aus New Jersey starten würden.
 
Letztendlich sind wir normal am Heliport gestartet, aber die Abfertigung der Fluggäste fand nicht im dafür vorgesehenen Gebäude, sondern davor statt, denn das Gebäude stand beim Sturm mehr als 2m unter Wasser und muss wohl erst renoviert werden.
 
An dieser Stelle bin ich gestern beim Tippen eingeschlafen, also nicht wundern, wenn ich jetzt von gestern spreche… 😉
 
Die 3-4 Heli-Fluggesellschaften haben sich auf dem Vorplatz vom Gebäude mit Pavillonzelten und  Containern, sowie Dixie-Häuschen eingerichtet, das ist alles etwas chaotisch, aber es funktioniert und mit Sicherheit praktischer, als die Touris alle nach New Jersey zu schicken.
 
Eigentlich hatte ich gegen 15 Uhr fliegen wollen, damit man das schöne tiefe Nachmittagslicht auf den Fotos geniessen kann, aber da wir etwas zu früh waren, bin ich sofort abgefertigt worden und saß schon gegen 14.30 im Hubschrauber…
 
Wir waren eine 6 Personen-Gruppe und weil ich alleine, die anderen zu zweit bzw. dritt waren, hab ich den Platz neben dem Piloten bekommen. Total genial! Ich konnte zwar mein Fenster nicht öffnen, wie die Leute hinter mir, aber ich hatte freien Blick nach vorne und zur Seite.
 
Aber der Reihe nach. Man bekommt also eine Schwimmweste um den Bauch geschnallt und muss dann als Gruppe im Gänsemarkt hinter dem Typen her marschieren, der einen über’s Flugfeld führt. Dabei läuft man genau über streng markierte Wege, damit den  ca 6-10 (genau hab ich nicht gezählt) möglichen Hubschrauber nicht zu nahe kommt, die alle auf ebenfalls genau markierten Plätzen  
landen. Dort ist es verdammt laut und windig und wenn einer Hubschrauber schräg nach hinten startet oder landet, wirbelt er auch noch Wasser auf, denn das Ganze findet auf einem Ponton statt.
 
Am Heli angekommen, werde ich von unserem Guide und dem Piloten also auf den Co-Piloten-Sitz gesetzt und angeschnallt und bekomme Kopfhörer mit Headset auf. Die halten einerseits den Lärm weg, andererseits steht man so in Kontakt mit dem Piloten und den anderen Gästen und hört auch den Funkverkehr mit. Der Pilot muss seine Wendemanöver, sowie Vorbeiflug an Freiheitsstatue und dem Yankee-Stadion ankündigen.
 
Jetzt aber los. Wir heben ab und fliegen in Richtung Brooklyn, dann weiter nach Süden über Governor’s Island Richtung Verrezano Bridge. Dann geht es  zur Freiheitsstatue,  an der wir vorbeifliegen, dann wenden und in die andere Richtung wieder vorbei fliegen.
Bei diesen Wendemanöver fliegt der Heli schön elegant mit Schräglage, wie man das so vom Zuschauen kennt. Ist ein bisschen wie Karussel fahren, aber recht harmlos. Wind und Luftlöcher gibt es auch, die den Heli etwas wackeln lassen, aber insgesamt war ich so vom Gucken und Fotografien abgelenkt, dass ich keine Zeit hatte, viel auf das Gewackel zu achten 😉
 
Dann sind wir an der Ostküste des Hudson Rivers nach Norden geflogen mit Blick nach Rechts auf Manhattan. Bis auf Höhe der George Washington Bridge sind wir nach Norden geflogen, dann ging es nach Osten bis zum Yankee-Stadion, das wir quasi zum Wenden umrundet haben. Dann über die Brücke Richtung New Jersey und am New Jersey Ufer des Hudson entlang zurück nach Süden. Noch eine Kurve um die Südspitze und schon waren 20 Minuten rum und wir sind wieder auf dem Heliport im East River gelandet. Unglaublich!
 
VIELEN DANK an alle, die sich an diesem tollen Geburtstagsgeschenk beteiligt und mir dieses Erlebnis ermöglicht haben.
 
Danach war ich natürlich völlig aufgedreht und der Alsterjogger neugierig auf meine Fotos. Wir sind dann noch ein wenig am East River entlang nach Norden spaziert und dann nach Westen und Richtung Financial District abgebogen. Hier am Ufer und in den tiefer gelegenen Strassenzügen waren die Spuren von Sandy noch deutlich zu sehen, viel Zerstörung/Wiederaufbau, jede Menge Fahrzeuge, die Keller leergepumpt haben, die drei Bäume, die dort gestanden hatten, waren entwurzelt, z.T. auf Autos gestürzt. Das war sehr anschaulich und wir konnten uns gut vorstellen, was da so losgewesen sein musste.
 
Dann sind wir auf Red Mango gestossen, einen Laden, der Smoothies und Frozen Yoghurt verkauft und wir haben uns dort reingesetzt, ein Frozen Yoghurt (sehr lecker!) genossen und zusammen meine Fotos vom Flug angeschaut. Hier eine Handy-Foto für Euch, mehr gibt es dann später:
 

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Frisch gestärkt und ein paar Bilder später haben wir beschlossen, dass das genug Sightseeing für einen Tag war. Stattdessen sind wir noch shoppen gegangen. Also wieder in die U-Bahn und zurück nach Midtown. Zunächst in einen ganz speziellen Laden, auf den ich mich schon ganz lange gefreut hatte. Vor zweieinhalb Jahren hatte ich mir in Kanada ein Knäuel Quiviuk-Wolle gekauft. Quiviuk ist das Unterfell (oder so ähnlich) vom Moschus-Ochsen. Total weich, leicht und kuschelig warm. Leider auch schweineteuer. Nachdem ich damals nur 1 Knäuelchen gekauft hatte und mich hinterher sehr darüber geärgert habe, nicht mehr mitgenommen zu haben, habe ich gestern etwas tiefer in die Reisekasse gegriffen und mir drei Knäuel gegönnt. Zwei als 50/50 Mischung mit Seide in Blau (durch die Seide wird es günstiger und ich finde es fühlt sich noch besser an) und eine Mischung mit Merino und Seide im Grün. Den Preis verrate ich mal lieber nicht, sonst halten mich alle Nicht-Stricker unter Euch für verrückt…
Das Hauptgeschäft macht dieser Laden eigentlich mit dem Verkauf luxuriös teurer Kleidumgsstücke aus dieser Wolle. Die Knäuel werden eher nebenbei verkauft und die Verkäuferinnen hatten auch nicht wirklich Ahnung davon…
 
Und dann kam das nächste Erlebnis 😉
Eine Freundin hatte mich gebeten, ihr ein paar Ugg-Boots mitzubringen. Ich habe zwar immer noch nicht verstanden, warum diese super warmen Fellstiefel gerade aus Australien kommen müssen, wo man sie garantiert nicht braucht, aber das stand nicht zur Debatte…
Also rein in den Laden. Es war voll und warm und laut, sehr chaotisch. Während ich also versucht habe, einen Verkäufer zu schnappen, um mir das gewünschte Modell in der richtigen Größe bringen zu lassen, hat der Alsterjogger mit einer Dame an der Kasse gesprochen, die gerade nichts zu tun hatte. Dabei hat er herausgefunden, dass der Laden normaler Weise deutlich voller ist und dass es meistens eine ca 100 Meter lange Warteschlange vor der Tür gibt. Da hätte ich mch garantiert nicht hinten angestellt… Aber klar, die Preise sind hier in etwa die Hälfte von dem, was man in Deutschland dafür bezahlt, was mir auch ein Rätsel ist…
 
Kurz nachdem ich also endlich einen Verkäufer gefunden hatte und zwischen lauter französischen Familien stand und wartete, ging auf einmal der Feueralarm los. Nachdem der die Angestellten aber kalt liess, blieben auch die Kunden unbeeindruckt. Endlich bekam ich dann den bestellten Schuhkarton in die Hand gedrückt und dann ab zur Kasse. Noch während ich am Terminal für die Kreditkarte unterschrieben habe, verschwand der Kassierer und das Personal fing an, doch die Kunden rauszuwerfen. Das Feuer sei irgendwo im Haus, keine direkte Gefahr, aber wir müssten trotzdem jetzt gehen. Ich habe dann noch meinen Kassenzettel bekommen und schon waren wir wieder draussen 😉 
 
Und dann kam endlich auch der Alsterjogger zu seinem Shoppingspass. Das nächste Ziel war Niketown, ein äusserst stylisher Flagship Store von Nike. Nach den vorangegangenen Shoppingabenteuern hab ich mich dann ein wenig ausgeruht und gewartet. Plötzlich hörte man andere Musik und Rufe „Everyody clap your hands“ und alle Mitarbeiter stürmten ins Edgeschoss und legtem eine kleine Tanzperformance hin. Sehr witzig. Wie wir dann erfahren haben war das als Reaktion auf den abgesagten Marathon gedacht um die spezielle  Kollektion dafür vielleicht doch noch zu verkaufen…
 
Dann waren wir aber endgültig k.o. Zum Essen sind wir mit der Bahn die Lexington Avenue raufgefahren, wo es eine Filiale von Shakeshack gibt, eine Burger-Kette, die uns unser Lieblingsreiseführer empfohlen hat. Ja, es war voll und wir habem Burger mit Pommes gegessen, aber beides war sehr lecker, wenn auch immer noch  mehr Fast Food -Ambiente und nicht Kneipen-Style, aber schon anders als beim großen M. Dann noch schnell ein Absacker-Brownie im Kaffee nebenan und dann zurück ins Hotel.
 
Jetzt wollen wir gleich ins Meatpacking-District und über die Highline laufen, bevor morgen und üermorgen das Wetter schlechter wird (Regen und evtl Schnee). 
 

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