Entscheidungen und Erfahrungen

image

Die Wettervorhersage von gestern hatte Recht. Wir sind von strömendem Regen aufgewacht. Super… ;-(

Erstmal frühstücken. Das war ganz ok, aber wir haben extra Brotscheiben bekommen, die wir zu einem Lunch-Paket verarbeitet haben. Sehr weise Voraussicht, wie sich zeigen sollte.
Die gestrige Idee die Strecke zu kürzen und dazu den NOW zu verlassen und komplett asphaltiert zu gehen, war aufgrund der Regenmenge der vergangenen Stunden sehr gut, sonst wären wir durch ein Moor gelaufen.

Franks Schuhe hatten in den letzten Tagen (und ehrlich gesagt auch vor dem Urlaub) schon ein paar Ermüdungserscheinungen gezeigt und bereits gestern war die Sohle mit Tape-Verband geschmückt (so ähnlich wie in dem Buch über die Pilgerreise von Harold Fry – genauen Titel bei Bedarf) gewesen. Heute hatte Frank dann fast die ganze Rolle um de Schuhe gewickelt, damit die rechte Sohle kein eigenständiges Leben führt. Nach ein paar Kilometern jedoch musste auch noch der Rest der Rolle dran glauben.

Bis dahin waren wir aber sehr entspannt über eine recht einsame Landstrasse gewandert, die zwar noch nass war, aber immerhin hatte es schon mal aufgehört zu regnen. Es kam sogar die Sonne raus.
Dann wurde die Strasse zweispurig, aber wir konnten auf dem Fahrradweg weitergehen an „goldenen“ Feldern entlang, immer versucht, „Ein Bett im Kornfeld“ zu singen.

Mit einem Mal zogen ziemlich dunkle Wolken auf und mit den Erfahrungen von Samstag hatten wir schnell die richtige Taktik raus. Die Regenponchos schon mal prophylaktisch in die Regenhülle vom Rucksack stecken, dann kann man sie bei Bedarf auch in kürzester Zeit über den Kopf ziehen. Das haben wir heute dreimal gemacht. Zum Glück konnten wir die Dinger aber immer nach wenigen Minuten wieder ausziehen, denn es hat immer sehr schnell wieder aufgehört.

Und nach der esten Poncho-Aktion hat Fank sich dann entschieden, seine Schuhe zu beerdigen und in Turnschuhen weiterzulaufen. Das Tape hat (wohl wegen der vielen Feuchtigkeit der Strasse) einfach nicht gehalten und eine klappende Schuhsohle bringt definitiv keinen Spass. Also haben wir sie brav noch einen Kilometer weiter mitgenommen und in Höbek an der Bushaltestelle im Mülleimer versenkt.

Bei insgesamt zügigerem Tempo als gestern -Gewöhnungseffekt? – sind wir gut voran gekommen. Die Strasse war nicht zu stark befahren, nur rund um die zwei Autobahnenquerungen war es ziemlich laut.
Nach ca. 10 km haben wir dann an einer Bushaltestelle (die sind hier meist aus Holz, sehr nett) Rast gemacht und unsere Brote gefuttert. Morgens waren wir nach ca. einer Stunde zwar theoretisch und laut Karte schon an einem Restaurationsbetrieb vorbei gekommen, aber praktisch haben wir auch da schon einen Bushaltestellen-Stopp gemacht.

Der Asphalt war an den Füssen dann doch ganz schön anstrengend, aber wir haben der Versuchung widerstanden, uns näher mit dem Busfahrplan zu beschäftigen.
In Osterrönfeld nach knapp 14 km wurde es dann ziemlich urban und wir kamen an diversen Einkaufsstätten vorbei, aber alle ohne WC. Wir sind dann erstmal weiter und haben im Zentrum dann einen an eine Metzgerei/Schlachterei angegliederten Imbiss gefunden und dort zusammen mit ein paar Handwerkern auf der überdachten Terrasse eine Pause gemacht. Eigentlich war uns zwar mehr nach Kuchen, aber egal. Der Laden scheint eine ziemliche Institution zu sein, denn es kamen dauernd Kunden, die alle große Pakete mit Essen aus dem Laden getragen haben. Dort haben wir noch eine kleinen Regenschauer abgewartet und ich habe mir mal wieder vor Augen führen müssen, dass Pausen keine schlechte Idee sind, auch wenn es eigentlich nicht mehr weit ist…

Von dort ging es dann direkt zur Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Vorbei an einem älteren Herrn, der in seinem Vorgarten den Weg mit dem Staubsauger (!) gereinigt hat…
Die Schwebefähre hängt unterhalb der Eisenbahnbrücke und überquert so den Kanal, eben ein paar Meter über dem Wasser. Sieht witzig aus, fährt sich sehr entspannt. Es passen max. 4 PKW und diverse Fussgänger und Radfahrer drauf, die Fahrt selbst dauert aber nur ein paar Minuten.

Unser Hotel lag ein wenig versteckt – vermutlich weil wir nicht von der richtigen Seite kamen, denn anders herum waren ein paar Schilder zu sehen, aber egal. Die Rezeption war allerdings erst ab 16 Uhr besetzt, wir waren eine Viertelstunde zu früh. Also sind wir noch ein paar Meter weiter gelaufen, wo uns ein Passant ein Eiscafé (Rialto) empfohlen hat. Sehr nett. Als wir bestellt haben, gab es keinen Kuchen, sondern „nur“ Apfelstrudel oder Waffeln. Auch ok. Der Apfelstrudel war mit Eis und frischem Obst angerichtet und sehr lecker. Als wir dann zahlen wollten, war endlich die Kuchenlieferung angekommen. So haben wir – sehr zu Franks Entsetzen – also den Käsekuchen verpasst, aber mehr konnten wir nicht mehr essen…
image

Das Hotel (1690 – ein Designhotel) stellte sich als noch besser heraus als wir vermutet hatten. Erst vor zwei Jahren eröffnet, sind alle zehn Zimmer individuell und sehr liebevoll eingerichtet. Wir freuen uns schon auf’s Frühstück.

Nach einer Ruhepause sind wir dann nochmal los und haben eine annehmbare Pizza gegessen. Aber dies ist ja kein Schlemmertrip und es tat definitiv gut, ein warmes Essen im Bauch zu haben.

Jetzt geniessen wir unser elegantes Hotelzimmer, haben das Zeit-Sommerrätsel gelöst und ich tippe munter vor mich hin. Draussen ist noch ein kleiner Platzregen herunter gekommen. Jetzt wird es aber Zeit, ein bisschen zu schlafen.

Ach ja: es waren gut 17km in 4h reiner Gehzeit.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Entscheidungen und Erfahrungen

  1. Ich finde es ja sehr bewundernswert, dass du solch ausführliche Reiseberichtige mit dem Handy schreibst…
    Aber es ist schön dadurch an eurem Abenteuerleben teilhaben zu können. :o)
    Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und ein bißchen weniger Regen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s