Neckarsteig – Tag 9: im Ziel

Wir haben es geschafft! Fast 126km zu Fuß auf dem Neckarsteig. Ok, 4 haben wir am Tag 5 abgekürzt.

Das war/ist echt ein toller Weg, nur die Infrastruktur könnte noch etwas verbessert werden.

Wir hatten uns gestern schon beim Bäcker ein paar Laugenstangen fürs Frühstück mitgenommen, weil das hier im Hotel relativ teuer wäre. Außerdem haben wir einen Wasserkocher im Zimmer und konnten gestern in der Apotheke noch Kräutertee besorgen, die Drogerien/Supermärkte waren uns zu weit weg.

Und so sind wir schon um kurz nach 9 aufgebrochen heute. Mit einem Zwischenstopp beim anderen Bäcker, um noch Verpflegung für unterwegs mitzunehmen. Dann ging es erstmal über Treppen, Brücken und durch Unterführungen bis wir die Bundesstraße gekreuzt hatten und am Friedhof vorbei Richtung Wald stapfen konnten. Top beschildert der Weg heute, es gab eigentlich keine Zweifel.

Dann ging es erstmal steil bergauf, gut 120 Höhenmeter. Unterhalb des dort stehenden Funkmastens entsteht gerade ein Restaurationsbetrieb. Wie uns ein Waldarbeiter erzählt, hätte der schon im Juni eröffnet werden sollen. Jetzt ist es langsam zu spät für die Saison, denn ganz fertig war da noch nicht alles. Aber immerhin die Bänke draußen stehen schon und so machen wir eine kurze Rast. Die Sonne scheint zwar, aber es sind sicher noch keine 15 Grad. Frisch.

Nach wenigen hundert Metern erreichen wir den Melacpass, wo es einen Sinnenpfad gibt, der u.a. einen Balancierbalken beinhaltet, aber auch Homzkunst:

Erstmal geht es dann bergab zum Kümmelbach und dann wieder aufwärts.

Nach insgesamt ca 2h erreichen wir die Gemsenberghütte, ein Pavillon mit Bänken, den wir für eine kleine Pause nutzen. Es geht weitere knapp 2h bergauf. Fast wie in den Alpen heute. Insgesamt 715m Aufstieg. Der Weg bleibt toll.

Wir machen eine weitere Rast, wieder an einer schön angelegten Raststelle. Hätten wir vorgestern nur eine dieser überdachten Bänke gehabt…

Dann kommen uns immer mehr Menschen entgegen, obwohl es immer noch schön ruhig ist. Und dann sehen wir plötzlich jede Menge Autos. Der Parkplatz vom Märchenpark auf dem Königstuhl. Wir müssen also fast da sein. Aber erstmal wirbt der Kiosk vom Märchenpark, dass sie Wanderer, Radfahrer etc auch ohne Parkeintritt willkommen heißen. Also nehmen wir die 50m Umweg gern in Kauf. Sehr nett und eine willkommene Pause mit guter Infrastruktur. 👍🏻

Und dann nähern wir uns der tollen Aussicht am Königstuhl. Etwas versteckt hinter einer Baustelle, wo ein großes Gebäude gebaut wird, aber dann doch der Anziehungspunkt.

Und dann haben wir „nur noch“ den Abstieg vor uns. Über die sogenannte Himmelsleiter steigen wir gut 1300 Stufen und 270 Höhenmeter hinab. Ein Paar überholt uns (ohne Gepäck) und 12 Leute kommen uns entgegen.

Auf Höhe des Schlosses kommt dann die Zieltafel

Und dann geht der Trubel richtig los. Heerscharen von Touristen, v.a. aus Asien begegnen uns. In dem Trubel geht uns die restliche Neckarsteig-Ausschilderung unter, aber wir gehen einfach mal den offensichtlichen Weg in die Altstadt weiter bergab.

Echt schön, dieses Städtchen, aber extrem touristisch. Da wir den Plan gefasst haben, nicht in der vollen Feierabend-S-Bahn nach Neckargemünd zurück zu fahren, sondern per Schiff, haben wir noch eine gute Stunde Zeit, um durch die Gassen zu bummeln.

Schnell finden wir es aber echt anstrengend, weil die Touris um uns herum immer wieder abrupt stehen bleiben. Lustig ist eine ganze asiatische Gruppe anzusehen, die gerade aus einem Gummibärchen-Geschäft strömt. Wir wollen eigentlich nur eine Bäckerei, finden aber keine. Alternativ gönnen wir uns ein Eis (ich habe „Feige“ als neue Sorte für mich entdeckt! 🍦) und biegen Richtung Neckar ab. Dann lieber entlang der Straße gehen.

Und dann fahren wir gemütlich in einer Stunde zurück und lassen den Tag Revue passieren. Sehr schön war es.

Jetzt werden wir noch ein paar Tage für den Rückweg brauchen mit Stationen bei Freunden und Verwandten, bevor uns dann der Alltag wieder hat.

Neckarsteig – Tag 8: fast am Ziel

Heute war es trocken – sehr zu unserer großen Freude! Wieder zu zweit unterwegs, hatten wir knapp 9 km von Neckarsteinach nach Neckargemünd vor uns, heute zum letzten Mal mit vollem Rucksack.

Die Strecke war zwar nicht lang, hatte aber dafür je zwei steile Auf- und Abstiege für uns parat. Das war in Kombination mit vollem Gepäck und dem gestrigen Tag quasi ohne Pause auch völlig ausreichend fanden wir.

Gestartet sind wir mit der S-Bahn von Eberbach nach Neckarsteinach. Am Fahrkartenautomaten standen uns übrigens 15 Orte zur Auswahl, die mit Neckar- angefangen haben. 😉

Dann führte uns der Weg tatsächlich mal ein paar hundert Meter direkt am Neckar entlang, bis zur Schleuse, über die wir dann den Fluss überquert haben. Auf der anderen Seite ging es über einen schönen Waldweg gleich mal steil bergauf bis nach Dilsberg bzw. der Altstadt des Ortes. Mit Burgresten, Kirchen und niedlichen Restaurants, hätten wir hier tatsächlich einkehren können. Wollten wir dann aber in Anbetracht unserer kurzen Strecke doch nicht und zum Essen war es noch zu früh.

Kaum die Höhe erklommen, führt uns der Weg gleich wieder nach unten, leider über erstaunlich viel Asphalt, durch den neueren Teil von Dilsberg. Dann geht es aber zum Glück wieder in den Wald. Und fast der gesamte Weg heute verläuft auf schönen Waldwegen, wir sind begeistert.

Und dann sind wir auch schon da: in Neckargemünd mäandert der Weg etwas durch die Gegend, aber wir biegen dann ab zu unserem Hotel.

Wir machen uns kurz frisch und finden eine Bäckerei mit sehr leckerem Kuchen. 😍 Jetzt machen wir uns noch einen schönen Abend, bevor wir morgen die letzten ca 10 km bis Heidelberg laufen. Die werden aber ein paar Höhenmeter beinhalten, weil es über Königstuhl und Himmelsleiter gehen wird.

Neckarsteig – Tag 7: richtig nass

Hatte ich gestern geschrieben, wir wären nass geworden? So ein Blödsinn! Gestern hatten wir etwas feuchte Luft, heute war es richtig nass!

Zu viert sind wir mit dem Auto unserer Freunde nach Neckarsteinach, dem Etappenziel, gefahren. Von dort mit der S-Bahn dann zurück nach Hirschhorn, wo wir loslaufen wollten.

Ungefähr 15 km vor uns, es regnet nicht, nachdem wir bei kräftigstem Regen aufgewacht waren, ein gutes Zeichen, dachten wir.

Der Weg beginnt hinter dem Bahnhof. Das haben wir aber irgendwie verpeilt und so gehen wir vorne herum vom Gelände statt die Treppe über die Gleise zu nehmen. Über die Straße laufen wir dann erstmal ein paar Minuten, bis wir am tatsächlichen Beginn des Weges stehen.

Und der Tag fängt mit 22% Steigung an, gut für den Kreislauf. Erstmal geht es also zügig bergauf, angefangen mit Straße, dann weiter auf einem Waldweg. Kurz vor dem Wald, fängt es leicht an zu tröpfeln.

Der Waldweg geht über in einen Forstweg mit gemäßigter Steigung und fast die ganze Zeit gehen wir auf solchen Forstwegen, meistens rauf, wenig runter oder auch mal eben. Gelegentlich gibt es auch einen Waldweg.

Der Regen wird immer mehr und nach ca 1,5h sinkt unsere gute Laune etwas, da der Regen nicht weniger wird und wir aufgrund der Etappenbeschreibung recht sicher sind, dass wir weder eine Einkehrmöglichkeit noch auch nur überdachte Bänke werden. Und Pause im Stehen im strömenden Regen macht nur so bedingt Spaß. Wir überlegen kurz, zurück zu gehen, weil wir noch nicht auf der Hälfte des Wegs sind, entscheiden uns aber doch für’s Weitergehen.

Wir werden auch tatsächlich mit ca 30min Regenpause belohnt. Die nutzen wir dann auch prompt für ein Picknick im Stehen. An Sitzen ist nicht zu denken.

Aber dann regnet es wieder los, erst leicht dann mehr und hört nicht mehr auf. Super. So langsam weichen wir alle an einer oder mehreren Stellen durch und wir wollen nur noch ankommen. Weil wir uns ja selten genug sehen, unterhalten wir uns einfach fleißig. Das macht Spaß und hat den positiven Nebeneffekt, dass es uns vom Wetter ablenkt.

Dann gibt es immerhin mal einen Blick auf den Neckar:

Wir kommen am Rand von Darsberg an einer Location vorbei, nachmittags eine Hochzeit oder ähnliches stattfinden soll. Lauter Zelte und Pavillons festlich geschmückt stehen auf dem Gelände, Musik ist schon zu hören, aber noch niemand zu sehen. Wir kommen jetzt auch an Unterständen mit Bänken vorbei, aber für eine Pause sind wir zu nass.

Wir folgen dem Weg bis zum Ortsrand, verlassen ihn dann aber, um direkt Richtung Altstadt abzubiegen und nicht mehr am Schloss vorbei zu schauen. Müde, nass und hungrig wanken wir in das erste geöffnete Restaurant, eine Pizzeria. Wir ziehen uns so weit wie möglich trocken an und genießen im Sitzen ein warmes Essen.

Das tut gut! Aber wir bleiben nicht lange sitzen. Unsere Freunde wollen noch nach Hause fahren und ich will meine nassen Socken ausziehen. Wir kommen noch in den Genuss, im Auto vor’s Hotel gefahren zu werden statt S-Bahn zu fahren. Super!

Und dann heißt es Abschied nehmen und wir genießen erstmal eine heiße Dusche und dann die Bettdecke.

Neckarsteig – Tag 6: nass

Heute sind wir nicht allein gewandert, sondern haben zwei befreundete Paare eingeladen, mit uns zu wandern, die nicht allzu weit entfernt leben. Und so sind wir heute zu sechst von Eberbach nach Hirschhorn gewandert. Ca 11km im (Niesel-)Regen.

Die Strecke war schön, bis auf zwei Stellen gut ausgeschildert, viel im Wald. Dabei haben sich große und kleine Wege abgewechselt, ebenso ging es immer mal wieder ein bisschen rauf und runter, vor allem am Anfang und Ende standen jedoch eher steile Passagen, da der Großteil des Wegs eher deutlich oberhalb des Neckars verlief.

Fotos gibt es heute keine, weil a) das Wetter zu nass war, b) der Wald mich nicht so eingeladen hat, Fotos zu machen und weil wir c) so viel gequatscht haben, dass das Fotografieren schlicht untergegangen ist. 🙈

Natürlich gab es auch heute keine Gastro, falls da noch jemand Zweifel hatte… Aber immerhin überdachte Bänke für ein Picknick. 😉

Neckarsteig – Tag 5: Abkürzung

Heute gab es erstmal ein sehr leckeres Frühstücksbüffet im Hotel und dann machen wir uns auf den Weg, nochmal mit Rucksack, nochmal ca. 17 km. Heute aber mit mehr Abstieg und auch noch mehr Aufstieg. Der Wanderplan weist aber schon eine 4km-Abkürzung aus, kurz vor Eberbach, die noch dazu ein paar Höhenmeter einspart, so wir wohl weniger laufen werden.

Es erwartet uns erneut eine Etappe ohne Einkehrmöglichkeit und wir fragen uns, wie das zu einem Premium-Weg passt, wenn man für eine 18km-Etappe alle Verpflegung mitbringen muss.

Zunächst führt uns der Weg schön durch den Wald, ein bisschen rauf, etwas mehr runter. Dort – wie auch den ganzen Tag – wechselt es immer wieder zwischen breiten Forstwegen, die befahren werden könnten und schönen schmalen Waldpfaden ab. Immer dann, wenn wir denken, dass wir jetzt genug von dem einen haben, wechselt es wieder. Wir kommen also mal schön schnell vorwärts, mal haben wir die etwas verwinkelteren kleinen Wege, wo man aufpassen sollte, wo man die Füße hinsetzt.

Relativ früh bekommen wir den Neckar wieder zu Gesicht:

Kurz danach biegen wir auf einen Weg ab, der ein Respekt einflößendes Schild am Eingang hat

Aber eigentlich lässt sich die Strecke (mit etwas Konzentration und Alpenerfahrung) gut gehen:

… vor allem, weil hier vor wenigen Tagen jemand mit entsprechendem Werkzeug die Brombeerranken zurück geschnitten hat. Wir können an einigen Stellen erahnen, dass wir hier sonst mit kurzen Hosenbeinen sehr gelitten hätten.

Erste Station nach knapp 2 Stunden (wir sind wieder schneller als die Angabe im Buch) ist die Ruine Stolzeneck, hier machen wir eine kurze Pause.

Danach geht es kräftig bergab zum Neckar runter, wo wir nach einer weiteren halben Stunde auf der Schleuse Rockenau den Fluss überqueren. Im Anschluss müssen wir ein paar 100 Meter direkt an der Bundesstraße gehen. Nicht optimal. Aber mit wenig Verkehr und einem leeren Parkstreifen ist es ok.

Und wieder geht’s bergauf, ca 60 Höhenmeter relativ steil. Der Weg ist im Anstieg zwar fahrstrassenbreit, aber ziemlich mit Gras zugewachsen. Das wirkt nicht wie ein viel begangener Weg. 🤔

Endlich auf der Höhe, geht es jetzt relativ eben weiter, wir machen Strecke. Haben noch nicht viel gegessen seit dem Frühstück, aber ohne Bank wollen wir auch keine Pause machen. Wir hoffen auf Bänke beim Aussichtspunkt Teufelskanzel.

Der Blick ist toll, Bänke gibt es nicht. Immerhin aber große Steine, auf denen wir sitzen und picknicken können. Richtig bequem ist es aber nicht.

Und weiter geht’s. Nach einer Viertelstunde sind wir weitere 100m höher auf dem Schollerbuckel. Hier gibt es wieder so eine bequeme Liegestuhlbank, mit besserer Aussicht als gestern. Und sie ist frei!

Da wir ja schon beschlossen haben, den Weg abzukürzen, wissen wir, dass wir nur noch ca 1h vor uns haben und sind entspannt.

Weiter geht es – mal wieder durch Streuobstwiesen – heute auch mit Schafen.

An dem Abzweig, der noch eine weitere 4km Rundstrecke mit diversen Höhenmetern verspricht, gehen wir einfach geradeaus weiter und nach ein paar hundert Metern treffen wir wieder auf die Wegmarkierungen. Sehr entspannt.

Und dann kommt noch ein letzter Abstieg auf einem mittelbreiten, einfach zu gehenden, aber durchaus nicht sehr flachen Wegstück und wir stehen am Ortsrand von Eberbach. Doch stehen auch zwei Frauen, die wir heute mehrfach getroffen haben. Die sind in weiten Teilen auf dem Neckarsteig gewandert, aber nicht immer und fragen sich gerade, warum sie „schon“ so weit unten sind. Sie hatten nämlich die Abkürzung NICHT gehen wollen und überlegten dementsprechend gerade, ob sie die letzten ca 1,5km wieder rauf, die fehlenden 4 km (mit kräftiger Steigungen) und die letzten 1,5km wieder runter gehen wollten. 🤔 so eine Frage würde ich mir nie stellen, denke ich. 😉

Beim Abendessen haben wir sie vorhin in der Altstadt gesehen und sie wirkten so k.o. als hätten sie das tatsächlich noch gemacht. Und was soll ich sagen, auch die Rentner der letzten beiden Tage waren wieder da.

Wir sind aber heute Nachmittag dann erstmal in die Altstadt spaziert. Und da Mister nochnprojekt schon seit Tagen von einer Eisschokolade fantasiert, aber entweder kein Eiscafé in der Nähe ist oder ihm die Schlangen an selbigem zu lang sind, haben wir uns heute sofort in ein Eiscafé begeben und die Fantasie in sehr leckere Realität verwandelt.

Unser Hotel ist nett, wir haben lecker gegessen und jetzt ist Erholung angesagt. 😀

Neckarsteig – Tag 4: Streckenmaximierung

Heute sind wir zum ersten Mal mit dem komplett vollen Rucksack gewandert und das auch noch 18 km weit. Das war eine Premiere, soweit wir uns erinnern. Bei den längeren Strecken hatten wir sonst irgendwie immer nur leichtes Gepäck dabei. Aber von vorn.

Unsere FeWo in Mosbach haben wir heute morgen verlassen und sind zum letzten Mal dort in den Schienenersatzverkehr gestiegen. Ab Neckarelz dann mit der S-Bahn in wenigen Minuten nach Neckargerach.

Das Rentnerpaar von gestern ist ebenfalls dabei. Gestern scheint alles geklappt zu haben bei den beiden. Heute starten sie aber wieder wenig zielstrebig in den Tag. Wir lassen uns zurück fallen, um mehr Abstand zu gewinnen und sehen sie dann auch den ganzen Tag nicht mehr.

In Neckargerach geht es vom Bahnhof direkt an den Neckar, den wir auf einer Brücke queren. Unter uns ein Campingplatz. Auf der anderen Seite heißt der Ort Guttenbach und von dort führt ein Fahrradweg in knapp 6km nach Neunkirchen, wir haben bis zu diesem Wegweiser maximal 1km von unseren gut 18 zurück gelegt und ich ahne, dass das ein schwieriger Tag werden wird. 😉 Ich kann mich ja gut in unabänderliche Dinge fügen, aber wenn ich den Sinn nicht erkennen kann, fällt mir das schwer. Und rückblickend kann ich sagen, dass ich sehr wohl verstehen, dass der 6km Weg entlang der Straße wohl keine gute Idee gewesen wäre, dass es aber definitiv nicht 18 km gebraucht hätte, um einen schönen Fußweg zu gestalten. Und dann noch alle paar Kilometer ein neuer Wegweiser, der mir sagt, dass ich in 2-5km dort sein könnte, wenn ich noch 4-17km vor mir habe. Ihr ahnt, ich habe viel geflucht und meinen Willen geschult. Mister nochnprojekt, der ja aus dem Lauftraining gewohnt ist, für einen Tag eine bestimmte Menge an Zeit oder Kilometern laufen zu müssen, war da sehr entspannt. Aber mir ist das extrem schwer gefallen, da bei so was eher der Weg von A nach B mein Anreiz ist und nicht, möglichst lange unterwegs zu sein. 🙈

Aber zurück nach Guttenbach. Erstmal gehen wir entlang des Neckar zurück Richtung Mosbach, um dann mit einer schönen Kurve oberhalb des Ortes den Weg nach Neckarkatzenbach einzuschlagen.

Den Ort Neckarkatzenbach sehen wir schon lange vor uns liegen, drehen aber noch 3-5 Schleifen drumherum (entsprechend der Markierungen), bis wir ihn endlich umrundet haben und von der gegenüberliegenden Seite einbiegen.

Im Ort können wir bei einer freundlichen Anwohnerin kurz die Toilette benutzen, da der Gasthof nur noch auf Anfrage und für Gruppen geöffnet hat.

Etwas außerhalb vom Ort verspeisen wir auf einer Bank unser mitgebrachtes Picknick und haben dabei diesen Blick.

Weiter geht es. Heute haben wir viele Wege, die geradeaus laufen und die meisten haben eine leichte Steigung. Nach weiteren 3km kommen wir an die Minneburg, die oberhalb von Guttenbach liegt, wo wir 4h zuvor gestartet sind. Eine sehr malerische Burgruine mit tollem Blick.

Hier haben wir jetzt ca 11 km geschafft. Wir merken aber schon, dass wir den schwereren Rucksack auf dem Rücken haben. Noch 2h reine Gehzeit liegen vor uns, meine Motivation ist etwas im Keller.

Aber der Weg entschädigt dann. Es geht weiter durch viel Wald leicht bergauf, mal auf breitem Weg, mal ganz schmal. Plötzlich stehen wir nach ca 3,5km am Waldrand und es steht eine Bank für 2 Personen da, die wie ein Liegestuhl geformt ist. Kurzentschlossener machen wir es uns dort bequem und knabbern nochmal an unseren Vorräten. Die Aussicht ist mittelprächtig, aber die Wolken sind spektakulär.

Diese Liegeposition scheint unseren müden Beinen sehr gut getan zu haben und voller Energie nehmen wir die letzten vier km in Angriff. Und die Themen des Tages wiederholen sich beständig. Ein Wegweiser mit kürzerer Streckenangabe testet unsere/meine Motivation und wir sehen schon das Ziel und drehen dann noch diverse Schleifen, statt geradlinig darauf zuzugehen.

Aber dann ist es so weit. Wir kommen im einzigen Hotel in Neunkirchen an, checken ein und gehen quasi sofort in den Schwimmbadbereich. Das tut so gut und wir bleiben erstmal in Pool bzw. Whirlpool. 😀

Und dann gab es noch ein sehr leckeres Abendessen. 😀

Morgen folgt gleich die nächste Etappe mit Gepäck, dann aber wieder 2 ohne.

Und fast hätte ich es vergessen: „unsere Rentner“ saßen auch zum Abendessen hier, d.h. morgen sehen wir sie vielleicht nochmal. Aber sie haben nur winzige Rucksäcke dabei, werden also vermutlich abends wieder nach Mosbach zurück müssen. 😉

Neckarsteig – Tag 3: in Wald und Schlucht

Heute war der vermutlich wärmste Tag unserer Tour. Glücklicher Weise haben wir aber weite Teile des Tages auf Waldwegen verbracht, so dass wir nicht so doll geschwitzt haben wie befürchtet.

Der Weg selbst war heute gut zu gehen, viel auf und ab, mal auf breiten mal auf schmalen Wegen, mal sanfte Steigung, mal ziemlich steil.

Ach so: ca 15km von Mosbach nach Neckargerach, 5h reine Gehzeit laut Wanderführer.

Viel Aussicht gab es aber nicht, meist waren Bäume davor. Hier mal ein Blick auf Obrigheim. Falls Euch der Name bekannt vorkommt: das ehemalige AKW ist rechts außerhalb vom Bild.

Obrigheim

Nachdem wir die letzten beiden Tage eher einsam unterwegs waren, sind wir heute immer wieder auf Wanderer und sogar ganze Gruppen getroffen. Total ungewohnt.

Gleich heute morgen fragte uns ein Rentnerpaar nach dem Weg, sie hatten das gleiche Ziel wie wir, aber wohl keine Orientierung. Sie sind dann zügig vor uns her marschiert, die Wanderstöcke jeweils ungenutzt in einer Hand, in der anderen Wegbeschreibung bzw. Wanderkarte. Aber der Weg war an der Stelle eben, warum also nicht?

Schon an der nächsten Weggabelung, wo man etwas nach dem nächsten Schild suchen musste, haben wir sie dann überholt, während sie in die falsche Richtung gelaufen waren und dort jemanden nach dem Weg gefragt haben.

Wenige Minuten später haben sie uns dann bei einem knackigen Anstieg überholt, natürlich hatten sie die Stöcke nicht in Benutzung.

Oben war dann eine Weggabelung ohne Schilder, da haben wir sie wieder eingeholt. Dann haben wir kurz danach eine kurze Pause eingelegt und danach haben wir sie nicht mehr gesehen. 🤷‍♀️

Wir hoffen, sie sind gut angekommen.

Aber kann mir mal jemand erklären, warum man/frau seine Stöcke nur rumträgt – in der Hand – statt sie zu benutzen? Ist doch total ineffizient.

Der einzige Gasthof auf dem Weg hatte leider mittags nicht auf und so haben wir unterwegs ein leckeres Picknick aus dem Supermarkt gefuttert, da wir das gestern schon gelesen hatten. Soviel zu Premium-Wanderweg. Für morgen konnten wir noch nicht rausfinden, ob der Gasthof am Weg geöffnet hat. Laut Wanderführer aus 2014 müsste er das, aber wollen wir uns darauf verlassen?

Der Höhepunkt des Tages war aber sicher der Abstieg durch Margarethenschlucht. Ein alpiner Klettersteig, für den man laut Reiseführer auch gelenkig sein sollte.

Die Schlucht ist nur ca. 600m lang, aber man legt eine deutlich längere Strecke zurück. Sehr schöner Weg. Fast überall mit Seilen gesichert, viele Stufen, z.T. mehr als kniehoch. Wir hatten Spaß, waren aber auch mehr oder weniger die einzigen auf dem Weg runter, alle anderen im Aufstieg.

Im oberen Drittel saßen 4 Senior*innen völlig fertig auf dem Weg. Rein optisch (Kleidung, Ausrüstung, Ausstrahlung) gehörten die eher auf einen netten Spazierweg als in die Schlucht. Keine Ahnung, wie die einige der Wegstellen in ihren wadenlangen Röcken (!) überwunden haben. 🙈

Aber für alle wenig kletterwütigen, sowie für schlechtes Wetter gibt es auch eine Umgehungsstrecke.

In Neckargerach war ebenfalls nicht viel an Gastro, das einen offenen Eindruck gemacht hätte. Aber immerhin der Bäcker war offen und im Rathaus gab es gepflegte öffentliche (und kostenlose!) Toiletten.

Nach knapp 5h hatten wir unser Ziel erreicht, inclusive aller Pausen. Sehr verwunderlich. Normal schaffen wir noch nicht mal exklusive Pausen die Angaben für die Wege. 😀

Morgen kommt dann die erste Etappe mit vollem Gepäck und die ist dann auch gleich mal 18 km lang. Wir werden sehen.

Neckarsteig – Tag 2: viel Steig, wenig Neckar

Auch heute haben wir Glück und können bei spätsommerlichen 25 Grad wandern. Morgens ist es aber durchaus sehr frisch, nachmittags hätten wir auch ein paar Grad weniger genommen.

Heute zu Beginn wieder Schienenersatzverkehr und S-Bahn zurück nach Gundelsheim. In der netten Bäckerei von gestern decken wir uns mit Laugenbrötle ein und los geht’s (auch heute weichen wir für einen Altstadt-Abstecher etwas vom Weg ab).

Gundelsheim

Damit der Kreislauf gut in Schwung kommt, startet der Weg dann mit einem knackigen Aufstieg auf einer Treppe entlang der Weinberge. Wir sind ganz froh, dort halbwegs im Schatten zu sein. Am Fuß der Treppe müssten wir doch auf die Karte schauen, weil es zwei Treppen, aber keine Schilder gibt. GPS sei Dank, haben wir uns für die richtige entschieden.

Oben auf dem Michaelsberg angekommen, belohnt uns eine tolle Aussicht, die wir leider nicht fotografiert haben. Dann werfen wir einen kurzen Blick in die recht alte, aber gut erhaltene Michaelskirche. An der Aussenmauer steht sogar ein römischer Opferstein.

Leider asphaltiert geht es weiter, aber dafür werden wir mit leckeren Gerüchen von den vielen Obstbäumen belohnt, die den Weg säumen. Und dann geht es auch gleich wieder bergab. Ein schmaler Pfad bringt uns in Serpentinen zurück an den Neckar, direkt zum Bahnhof Haßmersheim. Der Bahnhof ist auf der einen Seite des Neckar, der Ort auf der anderen. Früher gab es eine Fähre, seit ein paar Jahren eine spektakuläre Hängebrücke, von wo aus wir natürlich ein paar Fotos machen.

Brücke in HaßmersheimNeckar bei Haßmersheim

Auf dem Bild ist rechts schon Burg Hornberg zu sehen, wie wir rasten wollen. Also nur ein kurzer Stop an Brücke & Bahnhof und weiter geht es. Wir treffen auf zwei Wanderer, die uns auf dem Neckarsteig entgegen kommen. Was wir in 9 Tagen vorhaben, haben die beiden in 4 gemacht. Respekt. Sonst ist es aber eher einsam auf dem Weg.

Durch den Wald wandern wir bergauf an einer Schlucht entlang. Sehr schön, aber immer wieder ist der Weg recht eng zugewachsen und Brennnesseln, Brombeerranken und anderes Grünzeug kommen unseren nackten Beinen recht nah.

Dann können wir auf die andere Seite der Schlucht wechseln und der Weg wird ebener, so dass wir dann schnell an ungefähren Halbzeitziel für heute ankommen.

Auf der Aussichtsterrasse der Burg Hornberg genießen wir jeder eine Suppe (eher gehobene Preisklasse, aber sehr lecker) und versuchen die internationale Gruppe einer Firmenveranstaltung und schwerhöriges Rentnerehepaar auszublenden, die uns doch etwas von der Aussicht ablenken.

Burg HornbergBlick von Burg Hornberg

Dann auf zur zweiten Hälfte und schon wieder ist der Weg nicht ganz eindeutig zu finden. GPS-Track und Wanderführer geben verschiedene Informationen, Schilder sind nur für die anderen Wege zu sehen, die hier parallel laufen. Und dann landen wir auch noch mitten in einer Großfamilie, die den Weg blockiert. Aber irgendwie finden wir den richtigen Weg wieder.

Bei unserem Umweg laufen wir wieder schön durch einen engen grünen Weg:

Durch den Wald

Es kommt noch einiges an Auf und Ab auf schönen Waldwegen und dann kommt endlich auch der finale Abstieg nach Mosbach.

Mosbach

Neckarsteig – Tag 1: das geht ja gut los

Ich trau mich gar nicht zu schauen, wie alt der letzte Beitrag ist. 🙈

Aber egal, ich schreib jetzt einfach weiter. Wir sind mal wieder in einem Wanderurlaub. Diesmal haben wir uns Wandern in Deutschland vorgenommen und zwar auf dem Neckarsteig.

Da die Etappenorte fast alle einen guten S-Bahn-Anschluss haben, haben wir uns entschieden, nicht täglich die Unterkunft zu wechseln, sondern möglichst jeweils mehrere Nächte an einem Ort zu schlafen und ein bisschen Bahn zu fahren. Das hat den charmanten Vorteil, dass wir tatsächlich nur 3 Etappen mit vollem Gepäck laufen müssen und uns sonst auf Minimalgepäck – wenn auch im großen Rucksack – beschränken können.

Heute dann die erste Etappe von Bad Wimpfen nach Gundelsheim. Wir übernachten in Mosbach in einer sehr netten Ferienwohnung in der Altstadt. Wir beginnen den Tag mit knapp einer Stunde Transfer nach Bad Wimpfen. Wegen Schienenersatzverkehr etwas umständlicher als erwartet, aber ok. Schon mal ganz schön, die Aussicht auf den Neckar.

In Bad Wimpfen erwartet uns dieses leicht vergilbte Schild, das hoffentlich nicht als Vorbote für den Zustand des Wegs gilt.

Wir ignorieren aber erstmal die offiziellen Wegweiser, die uns asphaltiert am Neckar entlang schicken wollen. Stattdessen machen wir einen kleinen Umweg durch die extrem malerische Altstadt:

Dann treffen wir am Ortsrand endlich auf den Weg, aber schon nach wenigen Metern ist der Weg gesperrt.

Das fängt ja gut an, denken wir. Aber zum Glück nur 1-1,5km, die wir über den Fahrradweg ausweichen müssen.

Dann laufen der Neckarsteig und der Radweg zwar parallel weiter, aber völlig unterschiedlich. Asphalt für die Radler, wir gehen direkt am Neckar über Wiesen und Feldränder auf alten Treidelpfaden.

Nach einer guten Stunde und ca 4,5km sind wir dann in Heinsheim. Nettes kleines Örtchen, aber keine geöffnete Gastro, auf die wir eigentlich spekuliert hatten. Ist ja schließlich schon Mittag. Immerhin gibt es öffentliche Toiletten im Bürgerbüro und wir schaffen es gerade noch wieder aus dem Gebäude, bevor um 12 abgeschlossen wird.

Zum Glück haben wir vorgesorgt und ein kleines Picknick dabei. Frisch gestärkt verlassen wir die Neckarebene und jetzt kommt der Steig. Steil bergauf über eine Treppe zur Bergkirche, die schon über 1000 Jahre alt ist. Ein schöner Ort. Von hier geht es relativ eben vorbei an Streuobstwiesen, einer Biomasse-Anlage (die stinkt!), einem Golfplatz und einem der größten jüdischen Friedhöfe in Deutschland weiter in Richtung Burg Guttenberg.

Der Weg ist sehr abwechslungsreich, hier ganz offenes Gelände:

Dann folgt über Waldwege der Endspurt zur Burg.

Dort ist zwar Montags Ruhetag in der Gastro, aber zum Glück gilt das nicht in den Schulferien und wir bekommen dann doch noch was zu essen und eine tolle Aussicht obendrein. Wir sparen uns sowohl die Burgbesichtigung als auch die Greifvogelschau, denn unsere Bahn zurück fährt nicht super häufig und so wollen wir lieber mit kleinem Puffer in den Abstieg nach Gundelsheim und zum Bahnhof gehen.

Noch mal kurz steil bergauf – super so direkt nach dem Essen – dann geht es schön eben durch den Wald und schließlich ziemlich steil bergab. Unten angekommen, ist es vorbei mit Schatten und die letzten 20min geht es durch die pralle Sonne. Erst entlang der Felder, dann ganz urban an der Straße.

In Gundelsheim verlieren wir irgendwie die Wegmarkierung, aber den Bahnhof finden wir auch so. Ebenso noch eine Bäckerei auf dem Weg dorthin. Noch ein Viertelstündchen bis zur Abfahrt und eine weitere halbe Stunde später sind wir wieder „zuhause“.

Ein toller Tag, wir freuen uns schon auf morgen.

Brot backen – PW08

Während ich meine Sabbatical-Aktivitäten geplant hab, ereilte mich das Angebot von Tini vom Zwillingsnadel-Podcast, dass wir doch zusammen Brot backen könnten, wenn ich zu Ihr nach Kiel kommen würde.

Tini backt mit großer Begeisterung Brot und hat auch schon diverse Kurse zu dem Thema besucht, ich hatte es bis dahin nur mit Brotbackmischungen probiert. 😉

Die größte Schwierigkeit bestand darin, einen Termin zu finden. Wir haben genau einen Termin gefunden und der war dann kurzfristig auch noch etwas gefährdet, weil eine von Tinis Töchtern kurz vorher krank wurde. Zum Glück wurde sie aber rechtzeitig gesund, denn kurz vor dem Chorkonzert in der Elphi wollte ich mich dann doch nicht anstecken und wäre sonst nicht hingefahren.

Also bin ich morgens in den Zug nach Kiel gestiegen, wo Tini mich am Bahnhof eingesammelt hat. Am Abend vorher hatte ich schon erste Bilder zugeschickt bekommen, von angesetztem Teig, der quasi nur auf mich wartet.

Weiterlesen